Programm 2010

Programm Bundestagung 2010

Stand: 15. September 2010 – Änderungen vorbehalten
Anmeldung nur schriftlich über den Flyer im Download.
 

TAGUNGSADRESSE

Die Insel, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Karlstraße 49b, 76133 Karlsruhe

FREITAG, 29. OKTOBER 2010

14.00 – 16.00           Mitgliederversammlung Bundesverband Theaterpädagogik

16.30 – 17.00           Kaffee-Klatsch – Informelle Gespräche

17.00 - 18.30            Eröffnung der Tagung, Grußworte, Einführung

                               Theatraler Input

                               Vorstellung der WorkshopleiterInnen

18.30                       Abendessen

20.00                       "Türkisch Gold" Theater-Gastspiel  - mit anschl. Publikumsgespräch
                               Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen

 

SAMSTAG, 30. OKTOBER 2010

09.00 - 12.00            Workshops Teil I

12.00 - 14.00            Mittagspause

14.00 – 17.00           Workshops Teil II

17.00 - 17.30            Coffee-Break

17.30 - 19.30            Markt der Möglichkeiten: Best-Practice - Beispiele interkultureller Theaterarbeit

19.30 - 21.00            Interkulturelles Abendbüffet                   

21.00                       "Der Kaufmann von Venedig" Theatergastspiel
                               Fringe-Ensemble, Bonn

anschl.                     Fest

 

SONNTAG, 31. OKTOBER 2010

09.00 – 10.30           Vorbereitungen / Proben Workshop-Präsentationen

10.30 - 11.00            Coffee-Break

11.00 - 12.30            Workshop-Präsentationen

12.30                       Tagungsfazit

anschl.                     Abreise

 

WORKSHOPS

1. DRAMATISIEREN VON INTERKULTURELLEN KONFLIKTEN

Das Erarbeiten von Theaterproduktionen ohne festen Stücktext ist eine weit verbreitete theaterpädagogische Arbeitsform. Ziel des Workshops ist eine vertiefende Vermittlung der Techniken dieses  Dramatisierungsvorgangs. Als Ausgangspunkt sollen per sönliche Erfahrungen der Teilnehmer zu interkulturell brisanten Themen dienen. Wir befassen uns praktisch mit den unterschiedlichen Produktionsschritten und Rollen (Regisseur, Spieler, Produktionsleiter, Dramaturg, Stimulator, Szenario-Texter) beim Dramatisieren. Wie schafft man eine persönliche Verbindung zwischen Ensemble und Material? Wie kann man eine Prämisse einsetzen und arbeitsfähig machen? Wie geht man mit den Schauspielern um?

Rob Doornbos ist niederländischer Theaterdozent, seit 2006 Theaterpädagoge und Regisseur am »Werkraum Karlsruhe« – www.robdoornbos.eu

2. UND WAS KOMMT JETZT? WIE MAN GEMEINSAM THEATERSTÜCKE SCHREIBT, OHNE VORHER ZU WISSEN, WOVON SIE HANDELN

Schreiben ist wie verreisen. Ein Schritt kommt nach dem anderen. Etwas Neues erfinden und zugleich  bewerten, ob es gut ist und wozu man es braucht, kann zu Schreibblockaden oder zur Wiederholung von bereits Bekanntem führen. Der Workshop gibt eine praktische Einführung in Methoden des Szenischen Schreibens, die sich in der interkulturellen theaterpädagogischen Arbeit bewährt haben – allein, zu zweit und in der Gruppe, zum Anfangen und Weiterarbeiten. Bitte Laptops mitbringen!

Lorenz Hippe Autor zahlreicher aus Interviews mit Jugendlichen und Erwachsenen deutscher und nichtdeutscher Herkunft entwickelter Jugendtheaterstücke, Dozent für Theaterpädagogik und Szenisches Schreiben (FH Lingen, Theaterwerkstatt Heidelberg).

3. THEATER FORDERN – SPRACHE FÖRDERN!
SPRACHFÖRDERUNG DURCH INTERKULTURELLE THEATERARBEIT

Kindergärten und Grundschulen haben die Theaterpädagogik als erfolgversprechenden Zugang für die Sprachförderung entdeckt. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass Kinder und Jugendliche mit  Migrationsbiografie über das Theaterspiel die Möglichkeit erhalten, sich positiv mit ihren Herkunftssprachen und –kulturen auseinanderzusetzen: Ihre sprachlich-kulturellen Hintergründe werden zu einer wichtigen Ressource. Der Workshop stellt Best Practice-Beispiele interkultureller Theaterarbeit am Staatstheater Karlsruhe und didaktisch-methodische Arbeitsmöglichkeiten im Kindergarten/in der Grundschule vor.

Dr. Havva Engin ist Professorin am Interkulturellen Kompetenzzentrum der Pädagogischen Hochschule Heidelberg – www.havvaengin.com
Rusen Kartaloglu ist Theaterpädagoge am Badischen Staatstheater Karlsruhe und leitet das Tiyatro Diyalog – www.staatstheater-karlsruhe.de

4. HEIMAT IM KOPF – DAS INSZENIEREN VON MIGRANTENBIOGRAPHIEN

Gibt es bei der Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund spezielle Empfindlichkeiten bzw. Herangehensweisen? Sind diese Jugendlichen anders, und wenn ja, warum? Sind ihre Themen und Interessen anders gelagert? Im Workshop suchen wir Antworten auf diese Fragen. Am Beispiel meiner Inszenierung »Heimat im Kopf« reden wir über die Umsetzung von Biographien im dokumentarischen Theater. Im zweiten Teil wird u.a. praktisch am Umgang mit der Diskrepanz zwischen Klischees und Realität und der Political Correctness auf der Bühne gearbeitet.

Nurkan Erpulat ist Schauspieler, Theaterpädagoge, Regisseur und Lehrbeauftragter an der UdK Berlin – www.de.wikipedia.org/wiki/Nurkan_Erpulat

5. DIE »KOLLEKTIVE KREATION« ALS MEDIUM INTERKULTURELLER ARBEIT

Der Workshop beschäftigt sich mit der Methode der »kollektiven Kreation«, die die Heranführung an das »Fremde«, die Gegenüberstellung von Unvereinbarkeiten, aber auch die Einbindung jugendkulturell gültiger Gemeinsamkeiten verbindet. Es gilt, das Vertrauen der Darsteller/innen in die persönlichen Fähigkeiten zu stärken, sie zu unterstützen, eigene Lebenserfahrungen in künstlerische Bilder umzusetzen. Ziele dieses Ansatzes sind selbstverantwortliches kreatives Handeln und Wertschätzung des Einzelnen in seiner  Individualität und als Teil seiner kulturellen Umgebung. Auch die Rolle der Regie/Leitung als Vorbild interkultureller und künstlerischer Offenheit soll beleuchtet werden.

Kordula Lobeck de Fabris ist Regisseurin, Schauspielerin, Kulturmanagerin. Seit 1989 künstlerische Leiterin von Unter Wasser fliegen, Verein für internationalen Kulturaustausch – www.unter-wasser-fliegen.de

6. SHAKESPEARE INSZENIEREN MIT JUGENDLICHEN MIGRANTEN UND PROFIS

Bei der Arbeit an einem Klassiker ist man mit speziellen Schwierigkeiten konfrontiert - insbesondere dann, wenn man mit professionellen Schauspielern und Laien inszeniert: Laien können nicht so virtuos agieren wie die professionellen Kollegen, die Sprache ist alt und/oder gebunden und schon für Profis nicht leicht zu sprechen. Und was macht man, wenn muslimische Jugendliche sich z.B. weigern, einen Juden zu spielen? Denn Publikum will eine gute Geschichte erzählt bekommen und gut unterhalten werden. Wie sich diese Schwierigkeiten – sowie Probleme mit Themen wie Disziplin, Ehre, Gewalt etc. – lösen lassen, wird Gegenstand des Workshops sein.

Severin von Hoensbroech ist Schauspieler, Regisseur und Dozent an der WHU – Otto Beisheim School of Management – www.hoensbroech.de

7. MIT HAND UND FUSS – INTERKULTURELLE LEITUNGSHALTUNG PRAKTISCH ERPROBEN

Im Labor wollen wir gemeinsam verschiedene Ansätze von Leitungshaltung im interkulturellen Kontext ausprobieren. Zehn mal hintereinander in einen interkulturellen Workshop einsteigen! Teilnehmer können zunächst vorbereitete Einheiten vorstellen, woraus sich spontan spannende Neu-Einstiege ergeben sollen. Zentrales Thema wird ein Anleiten mit Händen und Füßen sein (also: ohne Worte). Später soll der Prozess sich mehr und mehr in ein offenes theaterpädagogisches Forschungslabor entwickeln - eine praxiszentrierte Entwicklung und Erprobung der Arbeitsformen von professionellen Theaterpädagogen. Durchführung und Anleitung: Ausschuss ForschungPraxis des BuT. Zum Labor-Ansatz siehe Ausschuß Forschung-Praxis

MARKT DER MÖGLICHKEITEN
BEST-PRACTICE-BEISPIELE INTERKULTURELLER THEATERARBEIT

Neben den Theater-Gastspielen wird es bei der 25. Bundestagung vier bis sechs weitere Best-Practice-Beispiele der interkulturellen Theaterarbeit geben – in Form von kommentierten Video-Präsentationen mit  anschließender Aussprache. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen die Präsentationen leider noch nicht fest.

GASTSPIELE

TÜRKISCH GOLD – VON TINA MÜLLER
KINDER- UND JUGENDTHEATER AM LANDESTHEATER TÜBINGEN

»Ich heiße Aynur, bin 15 Jahre alt und deutsche Jungs interessieren mich nicht.« Luiza und Jonas sind befreundet – sie kennen sich in- und auswendig. Aber nach dem Urlaub ist plötzlich alles ganz anders. Jonas hat sich in der Türkei in Aynur verliebt, die er vom Sehen aus Deutschland kennt. Sie wohnen in der gleichen  Stadt, Aynur geht sogar in Luizas Parallelklasse. In der Türkei verbringen Jonas und Aynur einen  wunderschönen Nachmittag zusammen am Strand. Doch dann hat sie es ziemlich eilig: Ohne sich groß zu verabschieden, stürmt sie davon. Zurück in Deutschland weiß Jonas nicht so recht, wie er sich verhalten soll.  Was sagen Aynurs muslimische Eltern zu einem Verhältnis ihrer Tochter mit einem »Ungläubigen«? Wie werden sich die Mitschüler das Maul zerreißen? Wie wird Kerim, Aynurs Zwillingsbruder, auf Jonas reagieren?

Die Inszenierung von Katrin Aissen entlarvt interkulturelle Vorurteile und Intoleranz mit hintergründigem Humor.

DER KAUFMANN VON VENEDIG – VON WILLIAM SHAKESPEARE
FRINGE ENSEMBLE, BONN

Antonio ist ein Global Player. Seine Schiffe kreuzen auf den Weltmeeren. Internationale Geschäfte und weltweiter Handel haben ihn reich gemacht. Als sein Freund Bassanio eine große Summe Geld benötigt, um die schöne Prinzessin Portia zu umwerben, bürgt er mit seinen Schiffen für einen Kredit beim vermögenden  Juden Shylock. Der Schuldschein aber hat es in sich: Shylock lässt sich vertraglich garantieren, ein Pfund Fleisch aus dem Körper seines Gläubigers schneiden zu dürfen,  falls dieser das Geld nicht pünktlich zurückzahlt …

Mit »Der Kaufmann von Venedig« liefert Shakespeare eine reiche Vorlage für die Auseinandersetzung mit  einem der brennenden Themen unserer Zeit: dem Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen. In der  Inszenierung von Severin von Hoensbroech finden sich neben den Schauspielern des fringe ensemble  Gangster-Rapper, Breakdancer und Hiphopper auf der Bühne wieder.
Informationen unter: www.fringe-ensemble.de