Beiträge für die Zeitschrift für Theaterpädagogik - Korrespondenzen, Heft 78

„THEATER UND DIGITALITÄT“ aus theaterpädagogischer Perspektive

 

Zeitschrift für Theaterpädagogik – Korrespondenzen, Heft 78

Für die kommende Hybrid-Ausgabe der Zeitschrift für Theaterpädagogik laden wir ein, Beiträge

einzureichen, die das Thema „THEATER UND DIGITALITÄT“ aus theaterpädagogischer Perspektive

beleuchten. Diese werden im Print-Teil oder im Digitalen-Teil veröffentlicht.

 

# Digitalisierung

Auch wenn gesamtgesellschaftliche (digitale) Transformationsprozesse 2020 einen Turbogang

einlegen mussten und der Aspekt der fortlaufenden Veränderung, welcher dem Begriff der

Digitalisierung inhärent ist, spürbar ist, wird der Begriff Digitalisierung als überholt deklariert.

Niemand spricht mehr von Digitalisierung in der Begriffsbedeutung, die einen

Transformationsprozess der analogen Welt beschreibt. Grund ist, dass die Vorstellung der

Trennung zwischen einer analogen und einer digitalen (i.S.v. virtuellen) Welt längst überholt ist.

Nur eine Grenze der Welten ist klar: Wer keinen Internet-Zugang hat, muss draußen bleiben.

 

# Digitalität

Der Begriff Digitalität, eine Wortschöpfung aus digital und Materialität/Realität, pointiert die

zunehmende Vermischung, Verbindung und Hybridisierung beider Welten. Doch auch dieser

Begriff wird schnell (zu schnell?) überholt vom Begriff der (Post-)Digitalität.

 

# Post-Digitalität …

…zeigt sich in bereits verinnerlichten Strukturen. Digitale Infrastrukturen und die damit

verbundenen Praktiken sind im Alltag implementiert. Dabei meint das Präfix „Post“, dass der

Zustand der „Nachdigitalität“ erreicht ist, in dem (digitale) Technologien als selbstverstandlich

angesehen werden und deren Gebrauch unsere Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster wie

auch unserer kulturellen Praktiken und Körpermuster tiefgreifend verändert. Rasant ist

gegenwärtig der rein quantitative Anstieg des Anteils der Zeit, die im Digitalen verbracht wird

und der Anstieg der individuellen Tätigkeitsbereiche im Netz, verbunden mit einer digitalen

Kompetenzerweiterung (aber auch Suchtpotenzial).

 

# Ästhetiken

Theater als ästhetische Praxis und Kulturreflexion kann in den Blick nehmen, wie sich

grundlegende Veränderung in speziellen Ästhetiken niederschlagen (z.B. Remix-Ästhetiken im

Sinne eines doing culture, Zoom as a stage, digital storrytelling, Stalder, Felix (2016): Kultur der Digitalität, Berlin ). Theaterpädagogische Projekte

erproben und erforschen Darstellungsmöglichkeiten, Dramaturgien, Narrationen und Ästhetiken

im Kontext von Digitalität.

Als digital natives sind junge Menschen heute in ihrer Wahrnehmung, Identiätsbildung,

Körperlichkeit und Sozialität stark geprägt und beeinflusst durch die digitale Präsenz.

Gleichzeitig verfügen sie über Kompetenzen und Möglichkeiten virtuelle Welten aktiv

mitzugestalten. Welche neuen theatralen Gestaltungsmöglichkeiten der virtuellen Welt sollten

Kinder und Jugendliche aus welchen Gründen erproben? Welche Potenziale haben „Online-

Theater“, „Streaming-Premieren“, Gamification-Formate etc. aus theaterästhetischer wie

bildungstheoretischer Perspektive für Bildungsprozesse? Welche Phänomene zeigt theaterpädagogisches Handeln (bzw. sollte …zeigen) in einer veränderten Kultur, in der

menschliche und nicht-menschliche Spieler*innen (KI) agieren? Wie gehen die player mit einer

techno-humanen Entgrenzung um? Welche Möglichkeiten bietet Digitalität bezüglich der

Verknüpfung von analogen mit virtuellen Räumen? Welche Auswirkungen hat diese Verknüpfung

auf das Theaterspiel? 

 

# Praktiken und Rezeption

Sowohl hinsichtlich der Praktiken von Theater und Performance als auch der Rezeption ist eine

rasante, anhaltende Veränderung auszumachen. Nur um einige Beispiele zu nennen: Einzelne

digitale Elemente (KI, VR etc.) sind Bestandteil einer analogen Inszenierung. Digitale

kollaborative Tools (Videotools, Etherpads, Podcasts etc.), Streaming_Theater, „FilmTheater“

zeigen das ganze Stück, die Performance „nur“ in der digitalen Welt, die Zuschauer*innen sitzen

vor dem Black Mirrow und/oder haben gänzlich neue Partizipations- und

Interaktionsmöglichkeiten. Ist Hybrid-Theater möglich (Zuschauer*in entscheidet sich, ob sie

oder er aus der Distanz oder im Zuschauerraum die Performance rezipiert)? 2020 beobachten wir

Praxis- und Rezeptionsveränderungen in Echtzeit.

 

# Utopien

Digitalität stellt Individuen, Gesellschaften und Staaten im 21. Jahrhundert vor die Aufgabe, ein

demokratisch legitimiertes Regelsystem zu entwickeln, um die Chancen der Digitalität sinnvoll

zu nutzen und Missbrauch auszuschließen. Soll theaterpädagogisches Handeln hier eine Rolle

spielen? Wie können digitale Phänomene genutzt werden, um von einer Welt zu erzählen, in der

wir gerne leben würden?
 

Vor dem Hintergrund dieser Impulse suchen wir Beiträge, …

…die (innovative) Positionen vorschlagen, Thesen aufstellen und Fragen aufwerfen, die den

theaterpädagogischen Diskurs anregen, kritisch über durchgeführte Projekte reflektieren oder

digitale Theater-Utopien entwerfen.

Bitte geben Sie an, ob Sie Ihren Artikel lieber analog oder digital veröffentlichen möchten. Zur

analogen Arbeit schicken wir Ihnen dann ein Style-Sheet. Beiträge für den digitalen Teil werden

in ein backend eingepflegt, zu dem es ein Tutorial gibt. Sie können Ihren Beitrag hier aber auch

in gewohnten Formaten (jpg, mp4, docx) einreichen, Absprachen sind individuell möglich

(digitale Chancen: Veröffentlichung von Video-, Audio-Dateien und weiteren digitalen Tools).


Eckdaten zum Textumfang (Zeichenzahl inkl. Leerzeichen):

  • Kurzberichte, Ankündigungen, Glossen z.B. aus den Verbänden: 500 - 700 Zeichen

  • Praxisberichte: 1000 – 3000 Zeichen exkl. Fotos

  • Wiss. Beiträge, theoretische Erörterungen und Forschungs-/Projektkonzepte: 4000 - 12000 Zeichen.

15. Januar 2021 ist die deadline für die Einsendung der Beiträge.

 

Mailadresse: simoneboles13 [at] gmail [dot] com


Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Zur besseren Koordinierung bitten wir vorab um eine

Kurzinformation, wenn Sie einen Beitrag einreichen möchten.

Mit herzlichen Grüßen

Simone Boles und Prof. Dr. Wolfgang Sting