»Frühjahrsfachtagung 2016«

Bisherige Tagungen

SICH EINMISCHEN
Gesellschaftpolitische Veränderung durch Theaterpädagogik?

23. — 24. April 2016, Gelnhausen
Die Plätze sind begrenzt, deshalb bitten wir um rechtzeitige Anmeldung.

Welche gesellschaftspolitische Verantwortung hat Theaterpädagogik? Hat sie überhaupt eine? Und kann theaterpädagogische Arbeit »etwas bewirken«? In der Fachdiskussion werden gern die vielfältig positiven Wirkungen des Theaterspielens bei Kindern, Jugendlichen, SeniorInnen und anderen Zielgruppen betont. Kann theaterpädagogische Arbeit sich damit begnügen? Sollte sie sich stärker gesellschaftlich einmischen, eindeutig Position beziehen? Was haben Formen und Methoden bewirkt, die Strategien zur Veränderung der Gesellschaft beinhalten, Brechts »Lehrstücke«, Boals »Theater der Unterdrückten«, der Ansatz »Theatre for Development« oder postdramatische Formen und theatrale Interventionen? Löst Theater- und theaterpädagogische Arbeit mit solchen Ansätzen wirklich Veränderung aus oder reden wir uns solche Wirkungen ein?

In einer Mixtur aus Vortrag, Präsentationen, Workshops und einem »World Café« wird auf der Frühjahrsfachtagung 2016 eine Frage untersucht, die sich aktuell nicht nur in der Flüchtlingsdebatte stellt.

Die Frühjahrsfachtagung wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Flyer und Anmeldeformular gibt es hier.

 

Programm

(Änderungen vorbehalten)

SAMSTAG, 23. APRIL 2016

  • 13.00 Eröffnung der Tagung
  • 13.30 »Sich einmischen!« Spielerischer Einstieg ins Thema
  • 14.30 »Theater(pädagogik) als Einmischung in gesellschaftliche und politische Räume«
    Impulsvortrag: Dr. Michael Wrentschur, Uni Graz
    anschl. Nachfragen und Tischgespräche
  • 16.00 Kaffeepause
  • 16.30 Impuls-Workshops
    2 Workshops parallel
  • parallel »Wasserbomben«
    GRIPS Theater Berlin
  • 19.00 Abendessen
  • 20.15 Projektpräsentationen Phase I
  • 21.00 Kleine Pause
  • 21.15 Projektpräsentationen Phase II
  • 22.15 Ausklang/Party

SONNTAG, 24. APRIL 2016

  • 09.00 »Wasserbomben«
    GRIPS Theater Berlin
  • parallel Impuls-Workshops
    2 Workshops parallel
  • 11.30 Kaffeepause
  • 12.00 Arbeitsgruppen/»World Café«
  • anschl. Tagungsfazit und Ausblick
  • 13.30 Ende der Tagung
  • 13.30 Mittagessen (optional)

Tagungsadresse

Hotel Babalou im Burckhardthaus
Alter Graben 3d, 63571 Gelnhausen, Telefon 06051–7004898

 

Inhalte

 

THEATER(PÄDAGOGIK) ALS EINMISCHUNG IN GESELLSCHAFTLICHE UND POLITISCHE RÄUME:
KONZEPTE, BEISPIELE, WIRKUNGEN — Impulsvortrag von Dr. Michael Wrentschur
Eine Reihe von theaterpädagogischen Konzepten und Verfahren zielt auf das (Mit)Gestalten von gesellschaftlichen und politischen Prozessen, auf das öffentliche Verhandeln von sozialen Verhältnissen und auf das Erproben von Alternativen ab: Welche unterschiedlichen Ansprüche und Perspektiven werden damit verbunden? Welche sozialen und politischen Veränderungen werden angestrebt, um welche Wirkungen kann es dabei gehen?
Und kann es eine Theaterpädagogik ohne gesellschaftspolitische Positionierung geben?

Michael Wrentschur ist Soziologe und Bildungswissenschaftler, Theater- und Kulturschaffender; er arbeitet als Hochschullehrer und Forscher an der Universität Graz und als künstlerischer Leiter, Theaterpädagoge und Regisseur bei InterACT, der Werkstatt für Theater und Soziokultur in Graz.

WASSERBOMBEN — Ein Mitspiel-Krimi für 5. und 6. Klassen
Zwei SpielerInnen begeben sich mit den Tagungsteilnehmenden (normalerweise mit den SchülerInnen) auf eine fiktive Reise. Sie reisen im Auftrag des neuen Schulsponsors HomeTec, doch in Kasachstan passiert die erste Reisepanne und sie lernen Yerlan kennen, dessen Freund an vergiftetem Brunnenwasser gestorben ist. Mit diesem Opfer globaler Wasserproblematik beginnt die Ermittlung rund um den Globus. Wasserbomben ist ein interaktiver Krimi für die Klasse. Es ist sowohl Theater, Mitspiel-Aktion als auch eine pädagogische Grundlage im Kontext des Globalen Lernens.

Wasserbomben ist ein Projekt der GRIPS Werke e.V. mit dem GRIPS Theater als Kooperationspartner.

 

IMPULS-WORKSHOPS

1. THEATER DER VERÄNDERUNG
Was geht mir gegen den Strich? Wo will ich Veränderung? Und welche? Was kann ich selbst dafür tun? Augusto Boals Methoden heute: Wie können wir sie nutzen, um mitzugestalten, unseren Teil beizutragen? Als Theaterpädagogen haben wir eine Menge Möglichkeiten! Der Workshop gibt Einblicke in Grenzbereiche und Berührungspunkte: Theater — Politik, Theater der Unterdrückten — theatre for living, alte Methoden — neue Methoden. Welche Methoden helfen gerade weiter, jetzt in diesem Moment, in dem wir alle gefragt sind!

Friderike Wilckens-von-Hein: Künstlerische Leitung Forumtheater inszene e.V., diverse Forumtheater-Produktionen zu gesellschaftlichen Themen, Forumtheaterprojekte mit Großen und mit Kleinen, Mitarbeiterschulungen, Dozentin am TPZ Köln und Off-Theater Neuss

2. DIE LEHRSTÜCKTHEORIE BERTOLT BRECHTS — PRAKTISCHE EINFÜHRUNG
Von 1929 bis 1933 experimentierte Bertolt Brecht mit musikalischen Stücken, an denen die Zuschauer aktiv beteiligt waren. Dieser — später von ihm in der »Lehrstücktheorie« zusammengefasste — Ansatz hatte durch die Wiederentdeckung in den 1970er Jahren in Westdeutschland großen Einfluss auf die deutschsprachige Theaterpädagogik. Anhand des Lehrstücks »Der Jasager/Der Neinsager« gibt der Workshop einen praktischen Einblick in die Lehrstücktheorie und ihre theaterpädagogische Praxis.

Lorenz Hippe absolvierte Theaterwissenschaft bei Andrzej Wirth und Hans Thies Lehmann, arbeitete als Theaterpädagoge und Dramaturg an vielen Theatern, seit 2006 freier Autor und Dozent, seit 2013 erster Vorsitzender Bundesverband Theaterpädagogik (BuT)

3. POLITISCHES STRASSENTHEATER — RUNTER VON DER BÜHNE, REIN INS LEBEN
a. Praxis: Nichts proben und raus auf die Straße. Erst mal gucken, was geht. Was erzeugt Aufmerksamkeit? Wo entstehen Begegnungen? Wo wird der Alltag zur Spielwiese, das Pflaster zur Bühne? Vor allem: nicht nur vor, sondern mit den Leuten spielen.
b. Theorie: Wen erreiche ich damit? Die Menschen, die Medien ... oder ist alles Selbstzweck?
a. + b.: Konzepte für Straßentheater-Aktionen entwickeln

Jörg Isermeyer tourte als Straßenmusiker durch halb Europa und lebt heute als freier Schauspieler, Regisseur, Theaterpädagoge, Musiker und Schriftsteller in Bremen. Kooperation mit diversen NGOs, macht trotz verschiedener Preise mehr Kleinkunstpunk als Hochkultur.

4. FLASHMOB/SITE-SPECIFIC THEATRE — SPIEL IM ÖFFENTLICHEN RAUM
Unsere Masse (mob) von ca. 10–15 Personen nutzen Gelnhausener Begebenheiten für Aktionen im Stadtkern. Dabei kommen Mensch und Material zum Einsatz. Vorsicht: Bei schlechtem Wetter findet der Workshop bei schlechtem Wetter statt! Bringt also Mut zur Begegnung mit fremden Einheimischen und regenfeste Klamotten mit.

Marco Schkoda ist Freier Theaterpädagoge am Schultheater-Studio Frankfurt, u.a. bei Kooperationen mit dem Schauspiel Frankfurt und der Kunsthalle Schirn. Leitung von Schüler- und Jugendensembles mit Schwerpunkt Performance, Theater- und Kunstprojekte an Schulen

 

PRÄSENTATIONEN

POLITISCHES THEATER UND DAS SKANDALÖSE / STEFAN BLAESKE
Volker Lösch inszeniert »Nathan der Weise« mit jungen Muslimen, Milo Rau ein Stück über Marc Dutroux mit Kindern zwischen 8 und 13 Jahren. Ihr Dramaturg fragt nach Voyeurismus und Entfremdung, Realismus und politischer Wirksamkeit und setzt sich dabei mit aktueller Kritik an den »Experten des Alltags« auseinander sowie mit Raus »Das Kongo Tribunal«.

KAMPAGNENTHEATER / PHILIPP HARPAIN
2005 wurde mit dem GRIPS Stück »Hier Geblieben!« eine bundesweite Kampagne ins Leben gerufen und JOG — Jugendliche ohne Grenzen — gegründet. 2009 hatte das Flüchtlingsprojekt »SOS for Human Rights« europaweite Ausstrahlung. Aktuell ist das GRIPS Mitinitiator von »My right is your right«. Philipp Harpain ist Leiter der Theaterpädagogik am GRIPS.

DIE THEATERARBEIT VON INTERACT / DR. MICHAEL WRENTSCHUR
Vertiefend zum Vortrag gibt es Einblicke in vielfältige Beispiele aus der Praxis der politisch-partizipativen Theaterarbeit von InterACT, Graz — inspiriert durch das Legislative Theater nach Boal. Theater(pädagogik) wird dabei Werkzeug der politischen Beteiligung und des demokratischen Dialogs — zwischen gesellschaftlich marginalisierten Gruppen und der Politik.

THEATERPERIPHERIE / UTE BANSEMIR, HANNAH SCHASSNER
theaterperipherie ist ein freies Ensemble in Frankfurt-Bockenheim, bei dem (post-migrantische) LaiendarstellerInnen und ausgebildete SchauspielerInnen gemeinsam Stücke erarbeiten. theaterperipherie untersucht Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe, gerade für Zielgruppen, die bisher keinen oder kaum Kontakt zum Theater hatten.

»LAND IN SICHT?« — ÜBERBRÜCKEN / THEATER ANTAGON
»Land in Sicht?« ist ein soziokulturelles Performance-Projekt von drei Kooperationspartnern mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Frankfurt/Main. Mit vorwiegend nonverbalen Mitteln aus Tanz und Theater wurde ein Begegnungsraum für interkulturellen Dialog geschaffen.

 

Dokumentationen

Die Dokumentationen zu den bisherigen Tagungen finden Sie hier.